Lernroutine für Kinder: Ratgeber für Eltern
Eine Lernroutine für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren funktioniert meist am besten, wenn sie vorhersehbar, kurz und immer am selben Ort stattfindet. Hausaufgaben werden oft zum Streitthema, wenn sie sich wie eine Strafe anfühlen oder das Kind nicht weiß, wo es anfangen soll. Dieser Ratgeber gibt dir als Elternteil oder Erziehungsberechtigtem praktische Schritte, gestützt auf Forschung zu Lob und zu verteiltem Üben.
Wähle eine feste Zeit und einen festen Ort
Feste Zeit und fester Ort verringern die tägliche Verhandlung. Such dir einen Tag und eine Uhrzeit, die in den Alltag deiner Familie passen, immer dieselben, dazu eine ruhige Ecke mit Tisch, gutem Licht und ohne laufenden Fernseher. Du musst nichts kaufen: Der Küchentisch reicht, solange es immer derselbe ist.
Sprecht auch ab, was davor und danach passiert. Zum Beispiel: Snack, dann Lernen, dann Spielen. Wenn die Reihenfolge bekannt ist, weiß dein Kind, was kommt, und das Gespräch wird entspannter.
Fang mit kurzen Blöcken an
Für jüngere Kinder sind kurze Blöcke leichter durchzuhalten. Probiere als Ausgangspunkt 15 bis 20 Minuten und steigere langsam, je nach Tempo deines Kindes. Das ist keine wissenschaftliche Regel: Pass es an das an, was bei euch zu Hause funktioniert.
Ein Beispiel für einen 20-Minuten-Block: 10 Minuten laut vorlesen, 5 Minuten Einmaleins als Spiel und 5 Minuten Gespräch darüber, was am schwierigsten war und was ihr morgen anders versuchen könnt. Hat dein Kind noch Energie, darf es weitermachen. Ist es müde, ist es ebenfalls ein gutes Zeichen, zur vereinbarten Zeit aufzuhören, denn so bleibt die Gewohnheit leicht. Die Frage ist nicht, wie viele Stunden dein Kind gelernt hat, sondern ob es den Block mit einem Gefühl von Erfolg beendet hat.
Verteile das Lernen über die Woche
Dunlosky und Kollegen (2013) haben Lerntechniken ausgewertet und das verteilte Üben, auch Spacing genannt, zu den Techniken mit hohem Nutzen gezählt. Das heißt: In mehreren Studien funktioniert es meist besser, ein Thema in kleinen Einheiten über mehrere Tage zu lernen, als alles an einem einzigen Abend zu bündeln.
Cepeda und Kollegen (2006) haben in einer Zusammenfassung vieler Studien zum Erinnern von Wortlisten und Texten außerdem gefunden, dass der Abstand zwischen den Lerneinheiten einen Unterschied macht und dass der günstigste Abstand wächst, je weiter der Test entfernt liegt. Diese Studien wurden zu einem großen Teil mit Erwachsenen gemacht, nimm die Idee also als Ausgangspunkt. In der Praxis heißt das: statt einer Stunde Einmaleins am Freitag lieber 10 Minuten an drei oder vier Tagen der Woche. Mehr dazu findest du im Artikel Verteiltes Lernen.
Hausaufgaben ohne Streit
Wenn die Aufgabe zum Streit wird, halte inne und prüfe drei Dinge. Hat dein Kind die Aufgabenstellung verstanden? Hat es das nötige Material? Ist die geplante Zeit realistisch? Oft entsteht der Streit aus einer Unsicherheit und nicht aus Faulheit.
Setz dich in die Nähe, lest die erste Frage gemeinsam und lass dein Kind dann selbst versuchen. Hilf bei der Strategie, nicht bei der Antwort: Frag "Wo würdest du anfangen?", statt die Rechnung fertig vorzugeben. Wenn es wirklich nicht weiterkommt, markiert die Frage und nehmt sie am nächsten Tag mit zur Lehrerin oder zum Lehrer. So hat die offene Frage ein Ziel, und niemand muss die Geduld verlieren.
Lobe Anstrengung und Strategie
Mueller und Dweck (1998) verglichen Kinder der fünften Klasse, die nach einer ersten Aufgabe unterschiedliches Lob bekamen. Nach einem Misserfolg zeigten die Kinder, die für Intelligenz gelobt worden waren, weniger Ausdauer, weniger Freude an der Aufgabe, mehr Erklärungen mit "geringer Fähigkeit" und schlechtere Leistungen als die Kinder, die für Anstrengung gelobt worden waren (Mueller und Dweck, 1998). Die Studie wurde mit Kindern in den USA durchgeführt, und der Effekt zeigt sich im Durchschnitt, nicht bei jedem einzelnen Kind.
In der Praxis kannst du "Du bist so schlau" durch Sätze ersetzen wie "Du bist drangeblieben und hast einen anderen Weg gefunden" oder "Dein Plan, die Aufgabe in Teile zu zerlegen, hat funktioniert". Das Lob für den Prozess zeigt, dass das Ergebnis von dem abhängt, was man tut, und das hilft, wenn die Aufgabe schwer wird.
Fehler als Hinweis
Ein Fehler ist eine Information. Wenn eine Rechnung anders ausgeht als erwartet, korrigiere nicht sofort, sondern frag: "Wie bist du auf dieses Ergebnis gekommen?" Die Antwort zeigt, wo die Unsicherheit liegt: eine vergessene Regel, ein hastiges Lesen, ein übersprungener Schritt. Der Fehler wird zum Hinweis für den nächsten Schritt und nicht zu einem Urteil darüber, wer dein Kind ist.
Vergleiche nicht mit Geschwistern oder Mitschülern und vermeide Sätze, die andeuten, dass dein Kind dafür nicht gemacht sei. Ein Fehler von heute bestimmt nicht das Lernen von morgen.
Sprich Bildschirmzeiten ab, bevor es Streit gibt
Die Brasilianische Gesellschaft für Pädiatrie (Sociedade Brasileira de Pediatria) hat für Familien ein Handbuch zur Bildschirmnutzung veröffentlicht, auf Portugiesisch, mit dem Titel "Menos telas, mais saúde" (Sociedade Brasileira de Pediatria, 2019). Dieser Text nennt keine Zahlen zur Bildschirmzeit. Lies das Handbuch und seine neueste Fassung, bevor du die Grenzen bei dir zu Hause festlegst, denn die Empfehlungen hängen vom Alter des Kindes ab.
Einige Absprachen helfen im Alltag: Das Gerät bleibt beim Lernen außerhalb des Zimmers, der Bildschirm schaltet sich nicht mitten in die Aufgabe, und auch die Erwachsenen halten sich an die Regeln. Gemeinsam und im Voraus abzusprechen führt tendenziell zu weniger Konflikten, als im Moment etwas zu verbieten.
Wann du Hilfe suchen solltest
Wenn dein Kind beim Lernen dauerhaft leidet oder die Lernschwierigkeiten trotz Unterstützung zu Hause anhalten, sprich mit der Schule. Wenn nötig, wende dich an eine Kinderärztin, einen Kinderarzt oder eine Fachperson für Lernen. Dieser Ratgeber beurteilt keine besonderen Schwierigkeiten, und eine Fachperson kann das gemeinsam mit deinem Kind abklären.
Wenn du eine Grundlage zu Konzentration und Ablenkung möchtest, lies auch Wie du dich beim Lernen konzentrierst.
Quellen
- Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students' learning with effective learning techniques: Promising directions from cognitive and educational psychology. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4-58. https://doi.org/10.1177/1529100612453266
- Cepeda, N. J., Pashler, H., Vul, E., Wixted, J. T., & Rohrer, D. (2006). Distributed practice in verbal recall tasks: A review and quantitative synthesis. Psychological Bulletin, 132(3), 354-380. https://doi.org/10.1037/0033-2909.132.3.354
- Mueller, C. M., & Dweck, C. S. (1998). Praise for intelligence can undermine children's motivation and performance. Journal of Personality and Social Psychology, 75(1), 33-52. https://doi.org/10.1037/0022-3514.75.1.33
- Sociedade Brasileira de Pediatria (2019). Menos telas, mais saúde: Manual de Orientação do Grupo de Trabalho Saúde na Era Digital (2019-2021). Verfügbar im Portal de Boas Práticas em Saúde da Mulher, da Criança e do Adolescente (IFF/Fiocruz). https://portaldeboaspraticas.iff.fiocruz.br/biblioteca/manual-de-orientacao-grupo-de-trabalho-saude-na-era-digital-2019-2021-menos-telas-mais-saude