Interleaving: wann Mischen beim Lernen hilft
Interleaving, auf Deutsch verschränktes Lernen, heißt: Du mischst Themen oder Aufgabentypen in derselben Einheit, statt ein Thema ganz abzuschließen, bevor du das nächste beginnst. Statt zwanzig gleiche Aufgaben zu rechnen, wechselst du die Typen ab. In einigen Studien fühlte sich das Mischen im Moment schwerer an und brachte einige Tage später mehr. Der Effekt gilt aber nicht für alle Fächer gleich.
Blockweise und gemischt: Was ist der Unterschied
Blockweises Lernen heißt, ein Thema nach dem anderen zu bündeln, etwa ein ganzes Mathekapitel, bevor du zum nächsten gehst. Beim Mischen wechselst du ab. Der Unterschied wirkt klein, verändert aber die Art der Anstrengung. Im Block wiederholst du dieselbe Regel. Beim Mischen musst du entscheiden, welche Regel du anwendest, bevor du löst. Eine mögliche Erklärung ist, dass das Wählen der richtigen Regel ein eigenes Training ist. Das ist eine Hypothese und nichts, was die Studien unten allein beweisen.
Was die Forschung in der Mathematik gefunden hat
Rohrer und Taylor (2007) machten zwei Experimente mit Studierenden im Labor. Im ersten variierte nicht das Mischen, sondern die Verteilung des Übens: In mehreren Sitzungen zu üben brachte in einem Test eine Woche später viel mehr, als alles in einer Sitzung zu üben. Im zweiten lernten die Studierenden mehrere Aufgabentypen und übten entweder blockweise nach Typ oder mit zufällig gemischten Typen. Im Test eine Woche später war die Gruppe mit gemischtem Üben deutlich überlegen (Rohrer & Taylor, 2007). Beim Üben selbst lag die gemischte Gruppe allerdings öfter falsch, und das ist zu erwarten: Es wirkt im Moment schlechter und bringt später mehr.
Die Aufgaben handelten vom Volumen geometrischer Körper, und die Gruppe war klein. Das Ergebnis gilt mit Vorsicht für andere Fächer und andere Altersgruppen.
Was die Forschung zu Kategorien gefunden hat
Kornell und Bjork (2008) testeten das Lernen von Kategorien mit Gemälden verschiedener Künstler. Wenn die Gemälde jedes Künstlers im Block erschienen, erkannten die Leute den Urheber neuer Gemälde schlechter, als wenn die Gemälde mit denen anderer Künstler gemischt waren. Wichtig ist: Die Teilnehmenden glaubten, der Block funktioniere besser, auch wenn ihre eigene Leistung das Gegenteil zeigte (Kornell & Bjork, 2008). Das Lerngefühl kann täuschen, deshalb lohnt es sich, das Ergebnis zu messen und nicht nur den Komfort.
Was die Übersichtsarbeiten sagen
Dunlosky und Kollegen (2013) stuften das gemischte Üben als Technik mit mittlerem Nutzen ein. Es gibt vielversprechende Belege, aber die allgemeine Wirksamkeit ist noch nicht gut gesichert. Das heißt: Probiere es in deinem eigenen Alltag aus und behandle es nicht als absolute Regel.
Beispiele für eine gemischte Routine
Mathematik, in einer Einheit von einer Stunde: 10 Minuten lineare Gleichungen, 10 Dreisatz und 10 Prozentrechnung. Löse danach eine Mischung aus fünf Aufgaben verschiedener Typen und prüfe nach.
Englisch: Wechsle Vokabeln mit Grammatik ab. Mische in einer Einheit "since" und "for" mit "although" und schreibe drei kurze Sätze, die alle drei Wörter nutzen.
Spanisch: Wechsle Artikel ("el", "la") mit der Konjugation von "ser" ("yo soy, tú eres, él es") ab. Lies danach einen kurzen Satz und bestimme Artikel und Verbform.
Verschiedene Fächer zu mischen, etwa zehn Minuten Französische Revolution, danach zehn Minuten Mitose und dann gemischte Fragen, ist eine nahe Variante dessen, was die Forschung getestet hat. Die Quellen dieses Artikels behandeln aber eher Aufgabentypen und Kategorien innerhalb eines Themas. Behandle das Mischen zwischen Fächern als Test in deinem Alltag.
Kannst du innerhalb desselben Fachs mischen?
Ja. Das ist der häufigste Fall in den zitierten Studien: Aufgaben verschiedener Typen innerhalb desselben Fachs. Ein praktischer Vorschlag, der nicht aus einer bestimmten Studie stammt: Lerne zuerst die Regel jedes Typs in einer kurzen Einheit und mische erst danach. So mischst du nicht, was du noch nicht verstehst.
Eignet sich Interleaving für alle Fächer?
Eine einheitliche Antwort gibt es nicht. Bei Kategorien und Aufgabentypen legen die zitierten Studien Gewinne nahe. Bei langen Texten oder Abfolgen, die du der Reihe nach befolgen musst, etwa den Schritten eines Verfahrens, kann das Mischen mehr stören als helfen.
Ein einfacher Test: Wenn du die Mischung mit weniger Fehlern lösen kannst, ohne ins Material zu schauen, bist du auf dem Weg. Wenn die Fehler stark zunehmen, geh für einige Tage zurück zum Block und mische später wieder.
So baust du eine gemischte Einheit auf
- Wähle drei bis fünf Aufgabentypen, die du schon einzeln lösen kannst, zum Beispiel die vier Grundrechenarten mit Brüchen, Dreisatz und Prozentrechnung.
- Mische: Schreibe die Aufgaben auf Papierstreifen und ziehe die Reihenfolge, oder bitte jemanden, die Liste durchzumischen.
- Sage vor dem Rechnen, welcher Aufgabentyp es ist und warum. Dieser Schritt des Erkennens ist das Neue gegenüber dem Block.
- Prüfe am Ende nach. Notiere, welchen Typ du am meisten verwechselt hast, und widme ihm die nächste Einheit, kurz im Block, bevor du wieder mischst.
Wie viel mischen
Es gibt keine belegte Zahl. Als Ausgangspunkt: drei Typen pro Einheit. Wenn du zu viel mischst und ständig hängst, reduziere. Wenn es zu leicht ist, nimm einen Typ dazu.
Häufige Fehler
- Mischen, bevor du die Regel jedes Typs verstanden hast.
- Glauben, Fehler beim Mischen hießen, die Methode funktioniere nicht. Der Fehler zeigt, was du wiederholen solltest.
- In der ersten Woche aufgeben. Der Effekt zeigt sich, wenn er auftritt, meist nach einer Pause und nicht sofort.
Um Wiederholungen zeitlich zu planen, lies verteiltes Lernen. Für den Teil mit dem Erinnern lies Active Recall.
Quellen
- Rohrer, D., & Taylor, K. (2007). The shuffling of mathematics problems improves learning. Instructional Science, 35(6), 481-498. https://doi.org/10.1007/s11251-007-9015-8
- Kornell, N., & Bjork, R. A. (2008). Learning concepts and categories: Is spacing the "enemy of induction"? Psychological Science, 19(6), 585-592. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2008.02127.x
- Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students' learning with effective learning techniques: Promising directions from cognitive and educational psychology. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4-58. https://doi.org/10.1177/1529100612453266